Der DACH30 Summit

Am 15./16. September fand der (erste) DACH30 Summit statt. Für die meisten ist das eine nicht-Nachricht. Welcher Summit? Und wer oder was ist überhaupt DACH30? Eins nach dem anderen.

Wer ist DACH30

DACH30 ist eine Austauschgruppe von Change Agents und Agile Coaches aus Großunternehmen. Sie wurde vor ca. 5 Jahren von Kollegen aus Daimler, Deutsche Telekom, Volkswagen und SAP gegründet. Sie sollte der Tatsache Rechnung tragen, daß Großunternehmen spezifische Probleme haben. Das betrifft nicht nur Skalierung, sondern auch Aspekte wie Compliance, Sicherstellen konsistenter Qualität und anderer Standards.

Was da recht überschaubar startete, wuchs zu einer schnell wachsenden Gruppe, in der heute mehr als die Hälfte der DAX-Unternehmen und andere große Unternehmen aus D-A-CH vertreten sind.

Was diese Gruppe einzigartig macht, sind die Mitgliedsregeln, durch die eine stabile Gruppe von Teilnehmern mit Mandat gemeinsam an fortgeschrittenen Konzepten arbeitet.

  • Mandat: um in die Gruppe aufgenommen zu werden, braucht man ein Mandat auf C-Level Ebene. Der Sinn dahinter ist der Anspruch, in den jeweiligen Unternehmen etwas strukturelles zu bewegen.
  • Stabile Gruppe: und ein Commitment von ein oder zwei festen Mitgliedern mit der Regel: wenn Du nicht kommen kannst, schicke keinen Stellvertreter. Der Sinn hinter dieser Regel ist zweierlei: einmal, eine Gruppe zu entwickeln, die sich weiterentwickelt – etwa im Gegensatz zu einem Stammtisch, in dem jedesmal ein Drittel der Teilnehmer neu sind – und die jedesmal wieder bei den Grundlagen beginnen müssen. Zum zweiten entwickelt sich in einer stabilen Gruppe das Vertrauen, um sich offen über Probleme auszutauschen – auch wenn einige Themen aus Wettbewerbs- und anderen Gründen ausgeklammert bleiben müssen.
  • Arbeit an Konzepten: im Lauf der Zeit entwickelten sich inhaltliche Untergruppen: Anforderungen an die Kompetenzen von agilen Beratern und Coaches, HR-Instrumente zu Stützung von Agilität, Organisations-Design, Einführungsstrategien und einigen andere.

Die Mindeststandards

Die “Mindeststandards für agile Coaches” kommen aus dem genannten Bedürfnis nach einer nachvollziehbaren Qualität von Funktionsträgern im agilen Bereich. Diese Standards sind sowohl für Mitarbeiter der beteiligten Unternehmen gedacht als auch für Zulieferfirmen und Berater.

Als eine der Konsequenzen aus diesen Standards entstehen auch Anforderungen für Trainings und andere Lern- und Ausbildungsformen.

Der richtige Start für die Entwicklung war “das Harz-Treffen”, ein dreitägiger Workshop, der von Volkswagen ausgerichtet wurde und an dem viele der Firmenvertreter und auch einige ausgewählte Berater eingeladen waren. Das Ergebnis war das Grundgerüst

  • Ein Raster aus vier Rollen und drei Lernstufen,
  • Rollenbeschreibungen für die vier Rollen Teamfacilitator (lies: Scrum Master), Wertstrom-Verantwortlicher (lies: Product Owner), Führungskraft und Umsetzungsteam.

Der Stand findet sich auf der Austauschplattform next-level-working.com.

Die Kommunikation

Jetzt kam der schwerste Teil: die Kommunikation über die Mindeststandards zu starten.

Warum war das so schwer? Wenn ich das kurz und unhöflich zusammenfassen darf: Unternehmenskommunikation ist die Hölle.

Zunächst stand die Idee im Raum, es sollte ein Verein interessierter Firmen gegründet werden – das erwies sich letztlich als unrealistisch, weil da neben den Rechtsabteilungen, der Unternehmenskommunikation noch eine Menge weiterer Stellen beteiligt werden mussten, deren Interessen zum Teil diametral auseinander lief.

Was die Standards rettete, war die Idee, sie als Open Source unter einer Creative Commons Lizenz (CC-BY-SA) zu veröffentlichen, im Nachhinein die logischste Lösung – aber im Nachhinein ist vieles einfacher. Der “Lifegang”, also die erste Veröffentlichung geschah dann im Juli 2019 anläßlich der Agile World – Konferenz von improuv.

Der Summit

Als nächster Schritt zum “Ausrollen” war ein Austauschworkshop mit dem Namen “Summit” geplant.

Geplant für März 2020. Abgesagt aus bekannten Gründen, verschoben auf September und als online Konferenz durchgeführt.

Die technische Grundlage waren Miro und eine Eventplattform, das hat hervorragend geklappt. Andrea Wendt hat für Volkswagen eine wundervolle Animation des Miro-Boards entwickelt und Sebastian Heglmeier von improuv hat die Organisation und die Durchführung getragen (Sebastian gibt übrigens seine Erfahrung gern weiter, z.B. in einem Workshop über Online-Retrospektiven).

Ergebnisse

Die Ergebnisse sind sehr interessant. Man kann sie in drei Überschriften zusammenfassen:

  • Wäscheleine: Im Vorfeld wurden die Teilnehmer und Interessenten ermutigt, ihr Angebot bzw.ihren Bedarf in die DACH30 Kompetenzräder einzutragen. Dieser Input wurde auf dem Miro-Board des Summit als eine Art Wäscheleine zusammengetragen.
  • Heatmap: in Arbeit ist eine Lernlandkarte oder Heatmap, die visualisiert, wo das Angebot und wo die Bedarfe sich konzentrieren.
  • Die Diskussionen: der Grossteil der Veranstaltung fan in kleinen Gruppen statt – eine Art World-Café Format und in diesen Gruppen haben einige Highlights deutlich herausgebildet. Sie bilden eine Grundlage für die Richtung der weiteren Arbeit.

Die Highlights – und wie geht’s weiter

  • Nuggets: es besteht ein breiter Bedarf an kleinen Lerneinheiten (“Nuggets”), die man on the job einstreuen kann
  • Weiterentwickeln! – Arbeiten am Content – vieles ist noch sehr fluffig, und manche Bereiche des Lernrads ist es noch nicht viel mehr als eine Rollenbeschreibung. Hier gibt es noch viel Raum für Konkretisierung und Verbesserung.
  • Bedarf auf Ri-Level am größten: während auf den unteren Ebenen der Lernziele ein breites Angebot besteht, ist sowohl das Konzept als auch das Angebot auf dem ri-Level zur Zei noch ziemlich überschaubar
  • Breitere Diskussion: die Diskussion muss auf deutlich breitere Grundlagen gestellt werden, dazu sind zur Zeit einige Vorbereitungen unterwegs, insbesondere eine neue Slack-Community.

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