Die Sprint-Retrospektive

Retrospektive warum und wie

Kontinuierliche Verbesserung ist eine elementare Forderung für Scrum-Projekte, wobei das Thema „Lessons Learned” nicht erst nach dem Projekt auf der Tagesordnung stehen. In Scrum findet ein ständiges Lernen während des Projektes statt, und eines der wichtigsten Konzepte dafür ist die teaminterne Retrospektive nach jedem Sprint. In diesem Meeting lässt das Team die vergangene Phase Revue passieren und untersucht sowohl den Entwicklungsprozess wie auch die Zusammenarbeit auf Verbesserungspotenziale. Typische Fragen einer Retrospektive:

  • Wofür haben wir mehr/weniger Aufwand gebraucht als veranschlagt und warum?
  • Welche Techniken können wir wie verbessern?
  • Welche neuen Techniken sollten wir einbeziehen?
  • Was hat unsere interne Zusammenarbeit behindert?
  • Wie können wir diese Störungen im nächsten Sprint verhindern?
  • Was war besonders gut für unsere Zusammenarbeit?
  • Wie können wir diese internen positiven Elemente stärken?
  • Welche Störungen gab es von außen?
  • Welche Hindernisse soll der Scrum Master aktuell beseitigen?
  • Welche besonders hilfreichen Inputs haben wir von außen erfahren?
  • Wie können wir diese externen positiven Elemente stärken?

In vielen Fällen lassen sich diese Fragen nicht ganz einfach beantworten, oder es ist notwendig, den Dingen auf den Grund zu gehen, also nach dem „warum” zu fragen, um Probleme nachhaltig aus dem Weg zu räumen. Ein wesentliches Ergebnis der Retrospektiven sind Prozessverbesserungen, die sich eventuell sogar auf die ganze Organisation auswirken.
Der Scrum Master moderiert die Retrospektive, seine Aufgabe besteht nicht neben der Moderation auch darin, Probleme zu thematisieren, nach den Ursachen zu fragen und das Team in Richtung einer Lösungsfindung anzuleiten. Wichtig ist, dass das Team dabei in die Lage versetzt wird, etwas über seine Arbeitsweise zu lernen um diese zu verbessern.

Ablaufmuster

Das am weitesten verbreitete Muster für Retrospektiven hat 6 Elemente:
Teilnehmer abholen
Zu Beginn eines Meetings muss man die Teilnehmer aus dem Alltag herausholen. Ein einfache Übung wie das „Checkin-Protokoll” kann hier helfen: man fragt jeden Teilnehmer: „wenn Du 4 Möglichkeiten hast, Deine Stimmung zu charakterisieren – Mad, Sad, Glag oder Afraid – welche würde am ehesten zutreffen”. Das gibt einen gemeinsamen Fokus und setzt den Ton für den Rest des Meetings.
Experimente auswerten
Hier überprüfen wir, wieweit die Aktionen und Experimente, die wir in der vorigen Retrospektive vereinbart hatten, auch durchgeführt wurden und welche Erkenntnisse wir daraus ziehen können.
Kreativphase: Daten sammeln
Jetzt gehen wir daran, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Wir einigen und zunächst auf den Schwerpunkt – als Scrum Master habe ich mir darüber schon Gedanken gemacht und ich habe gezielt während des Sprint darauf geachtet, an welche Punkten ich Verbesserungspotential oder Probleme erkenne.
Danach sammeln wir Erkenntniss. Dafür verwenden wir z.B. eine Timeline, an die wir Karten mit für uns wichtigen Ereignissen kleben oder einfach eine Brainstorming-Wand. Wichtig ist hier, dass wir möglichst alle Wertungen zurückstellen und zunächst sammeln – dass funktioniert ohne gleichzeitige Bewertung sehr viel besser.
Einsichten gewinnen
Danach bewerten wir die gesammelten Fakten und finden Patterns, Erkenntnisse zu Grunde liegende Ursachen. Das ist das Rohmaterial für die nächste Phase.
Konsequenzen und neue Experimente planen
Die Retrospektive ist kein Selbstzweck, sondern ein Kernpunkt des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Daher priorisieren wir auch, welche der Erkenntnisse Konsequenzen im nächsten Sprint haben sollten, welche Aktionen wir unternehmen und was wir als Verbesserungen ausprobieren wollen – im Kern planen wir ein Experiment.
Wrapup
Eine Retrospektive sollte einen klaren Abschluss haben, deshalb danke ich den Teilnehmern für die Zeit und bitte sie, auf einer Skala von 0 bis 4 anzugeben, ob sich das Meeting gelohnt hat („return of time invested”.

Was eine Retrospektive nicht ist

  • ein Meeting zur Leistungsbeurteilung
  • ein Anlass zur Kritik Einzelner oder für Schuldzuweisungen.
Kategorien: Allgemein
Schlagworte: Meeting, Praktiken
Contributor: Krishan Mathis
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